Chronik

 

Ersthelfer für Palzem gesucht  20.01.2004

 


TRIER / PALZEM.


Ein schwerer Unfall in Höhe der Helfanter Mühle hat die Diskussion um die Einsatzzeiten der Rettungsdienste

an der Obermosel neu entfacht. Das Thema beschäftigte den Kreisausschuss am Montagabend. Eine neue

Alternative zur Schließung eines möglichen Rettungslochs ist die Stationierung eines ehrenamtlichen Ersthelfers

in Palzem.

Im November 2003 stieß auf der Bundesstraße 419 zwischen Wincheringen und Palzem ein PKW mit einem

Traktor zusammen.Der Rettungswagen aus Saarburg traf 22 Minuten nach Eingang  des Notrufs an  der

Unfallstelle ein, obwohl das Gesetz eine "Hilfeleistungsfrist" von 15 Minuten vorgibt (der TV berichtete). Der

schwer verletzte PKW-Fahrer überlebte.

 

"Der Rettungsdienst hätte früher vor Ort sein können, wenn er richtig geleitet worden wäre", sagte Landrat

Richard Groß am Montagabend in der ersten Kreisausschuss-Sitzung 2004. "Es gibt hier keine grobe

Fahrlässigkeit. Verschiedene Anrufe haben verhindert, dass die Leitstelle dem Rettungswagen klar sagen

konnte, wo genau der Unfallort liegt."



Die Diskussion über ein mögliches Rettungsloch an der Obermosel ist nicht neu. Es gab bereits früher Fälle,

in denen der Rettungswagen der Saarburger Wache länger als 15 Minuten zum Unfallort brauchte. DRK-Leiter

Bernhard Stocky beschränkte diese Überschreitungen auf fünf Prozent aller Fälle. Es gab allerdings auch

Stimmen, die eine Reaktionszeit von  15 Minuten als illusorisch bezeichneten. Dafür seien die Entfernungen

zu groß und die Straßen zu schlecht. Auch nach Ansicht von Palzems Bürgermeister Florian Wagner sind die

15 Minuten nicht zu schaffen. Er hält die Stationierung eines Rettungswagens in Palzem für die

"optimale Lösung".


Notarzt kommt weiterhin aus Saarburg


Eine Vereinbarung zwischen der Kreisverwaltung, dem Rettungsverband Saar und der Leitstelle Trier kam

durch eine Initiative von Landrat Richard Groß zustande: Unfälle in Palzem rufen die Rettungswache im

saarländischen Perl auf den Plan, das näher als Saarburg liegt. Der Notarzt kommt allerdings weiterhin

aus Saarburg, denn in Perl ist keiner stationiert. Ein Antrag von SPD-Fraktions-Chef Alfons Maximini

brachte das Thema am Montag auf die Tagesordnung des Kreisausschusses.



Die Kreisverwaltung hat nach dem Unfall vom November die Anfahrzeiten überprüft. "Demnach sind neben

Palzem und Schloss Thorn auch die Helfanter Mühle, Kreuzweiler und Wehr schneller von Perl aus zu

erreichen, während sich für Esingen, Dilmar und Helfant eine kürzere Anfahrtszeit aus Saarburg ergibt",

so Landrat Groß. Die Vereinbarung mit dem Rettungszweckverband Saar soll entsprechend erweitert werden.

Die Stationierung eines eigenen Rettungsfahrzeugs für die Gemeinde Palzem war und ist für die

Landesregierung kein Thema. "Bei weniger als einem Einsatz pro Monat hält das Land die Kosten für

unverhältnismäßig hoch", so Groß. Bereits 2001 wurde eine kleine Anfrage Dieter Schmidts im Landtag

entsprechend beantwortet. Auch eine Mitversorgung aus Luxemburg sei nicht möglich, "weil der dortige

Rettungsdienst überlastet ist und überwiegend mit ehrenamtlichen Kräften arbeitet", erläuterte der Landrat.

Doch es tauchte eine weitere Alternative in der Diskussion des Kreisausschusses auf: die Einrichtung eines

First-Responder-Systems im Raum Palzem.


Diskussion über First Responder


First Responder (wörtlich: Erst-Antwortende) sind ausgebildete Rettungskräfte, die ehrenamtlich in bestimmten

Fällen parallel zum Rettungsdienst von der Rettungsleitstelle alarmiert werden. So sollen mögliche

Versorgungslücken überbrückt werden.

"Diese Ersthelfer werden von den Sanitätsorganisationen gestellt, die sie auch mit dem notwendigen Equipment

ausstatten", erklärte Groß. "Die Beschaffungskosten können aus Kreismitteln gefördert werden." Der

Saarburger DRK-Leiter Bernhard Stocky, ebenfalls im Kreisausschuss vertreten, ergänzte: "Das ist allerdings

eine Zufallsbereitschaft. Es kann sein, dass sich niemand meldet."

Dennoch: Gesucht wird ein Interessent, der  ehrenamtlich die  First - Responder - Funktion  in  Palzem

übernehmen will.


Die Lösung:


Toni Betzhold,  Lehrrettungsassistent aus Wincheringen,  nahm sich der  Aufgabe an und  fand schnell

Unterstützung in diesem Bereich von Manfred Welter, Rettungsassistent. Im Ersten Jahr (2005) rückten

sie 39 mal aus und leisteten Erste Hilfe. 2006 wurde das Team ergänzt durch Ike Schuster (der nach

Wincheringen gezogen ist). 2007 wurde das Team zum letzten mal durch ein neues Mitglied ergänzt.

Thomas Fischer, Rettungsassistent, baute nach Nittel und schnell wurde der Standortvorteil erkannt.

Am Jahresende (2009) konnten die schnellen Helfer mit Herz auf 98 Einsätze zurückblicken.

 

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"In der örtlichen Presse wurden die Retter  nach kurzer Zeit als Engel in Orange bezeichnet,

die Lebensretter."



Engel in Orange, die Leben retten


Sie sind schnell, retten Leben und machen ihre Arbeit freiwillig: die "First Responder Obermosel". Mehr

als 300 Menschen hat das vierköpfige Team schon aus Notlagen geholfen und - zumindest in

Einzelfällen - womöglich vor dem Tod bewahrt.

Wincheringen.

Ike Schuster mähte gerade den Rasen, als sein Funkpiepser einen Notfall meldete. Nur Augenblicke

später saß der 36-Jährige im Auto. Noch während der Fahrt bereitete er sich gedanklich auf das vor, was

ihn am Unfallort erwarten würde: Ein achtjähriger Junge war in Wincheringen eine Böschung

herabgestürzt und lag nun in unwegsamem Gelände. Noch vor der Feuerwehr war Schuster bei dem Kind

und leistete erste Hilfe. Er berichtet: "Der Kleine hatte hauptsächlich Schürfwunden." Als der Notarzt

eintraf, war der Achtjährige schon versorgt und konnte geborgen werden.



Der Fall des Jungen, der Mitte Juli beim Spielen verunglückte, war nur einer von bislang 270 Einsätzen

von Ike Schuster und seinen drei Kollegen, die sich zusammen "First Responder Obermosel" nennen.

Mehr als 300 Menschen hat das Quartett seit seiner Gründung im Jahr 2004 aus Notlagen geholfen

und einigen davon womöglich das Leben gerettet. Dabei spielte und spielt die Zeit eine entscheidende

Rolle. Teamleiter Toni Betzhold erklärt: "Ein Notarzt muss spätestens 15 Minuten nach der

Alarmierung an Ort und Stelle sein. Wir brauchen in unserem Bereich nur bis zu sieben Minuten,

weil wir in der Nähe wohnen." Diese Schnelligkeit sei unter anderem bei Schlaganfällen und Herzinfarkten

enorm  wichtig. Je früher die Behandlung beginne, desto besser seien die Überlebenschancen. Herz-Notfälle,

Schlaganfälle und Unfälle im häuslichen Bereich bilden die Mehrzahl unter den Einsätzen der

First Responder Obermosel, die laut Betzhold zeitgleich mit dem Notarzt alarmiert werden.

Bei ihren Einsätzen greifen die "Engel" mit den orangefarbenen Jacken auf eine umfangreiche Ausrüstung

zurück. Herz-Wiederbelebungsgerätegehören dazu, ebenso Beatmungsanlagen und Medikamente. Der

Gegenwert einschließlich Einsatzkleidung: rund 10 000 Euro. "Unsere Ausrüstung ist hauptsächlich

mit privaten Spenden finanziert", berichtet Betzhold. Denn eine gesetzliche Verpflichtung für das

Vorhalten von örtlichen First-Responder-Gruppen, von denen es im Kreis Trier-Saarburg nur etwa ein

halbes Dutzend gibt, existiere nicht. Die vier aus Wincheringen und Nittel, die alle ausgebildete

Rettungdienstler sind, machen ihre Arbeit ehrenamtlich. "Wir sehen das als Nachbarschaftshilfe",

betont Ike Schuster.


Extra: First Responder (englisch für "zuerst Antwortender") sind besonders ausgebildete Ersthelfer, die als

Ergänzung der Rettungskette gedacht sind. Ihre Aufgabe ist, die Zeit bis zum Eintreffen der Rettungsdienste

(Notarzt) durch Anwenden von basismedizinischen Maßnahmen zu überbrücken, um so die

Heilungschancen des oder der Patienten zu erhöhen. Die "First Responder Obermosel" wurden 2004

gegründet. Der Gruppe gehören an: Toni Betzhold (31) aus Bilzingen, von Beruf Lehrrettungsassistent beim

Deutschen Roten Kreuz, Ike Schuster (36) aus Wincheringen, leitender Krankenpfleger beim

Luxemburgischen Roten Kreuz, Manfred Welter (46) aus Wincheringen, ausgebildeter Rettungsassistent und

im Hauptberuf Winzer, sowie Thomas Fischer (28) aus Nittel, ebenfalls ausgebildeter Rettungsassistent,

der bei der Berufsfeuerwehr Trier arbeitet. Der Einsatzbereich des Quartetts erstreckt sich über die Ortschaften

Palzem, Esingen, Helfant, Wehr, Wincheringen, Bilzingen, Söst, Nittel, Köllig, Rehlingen, Onsdorf und Wellen.

 

Quielle: www.volksfreund.de